
Es ist eine Win-Win-Situation: Jedermann darf zugreifen und kostenlos jene Früchte ernten, die man entweder einfach pur essen kann, im Kuchen verarbeitet oder eine Marmelade kocht. Und die Eigentümer der Obstbäume können ihre Ernte freigeben, sparen sich Unmengen an herabfallenden und unverbrauchten Früchten, und setzen sich damit gegen Lebensmittelverschwendung ein. So das Konzept einer Aktion des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das in immer mehr bayerischen Kommunen umgesetzt wird.
Konkret können Besitzer von Obstbäumen die Ernte freigeben, sofern sie diese nicht selbst nutzen wollen. Die Bäume, bei denen dann die Allgemeinheit zugreifen kann, müssen dafür lediglich mit einem gelben Geschenkband markiert werden. Im Umkehrschluss bedeutet das: Obstfans sollten die Augen offen halten nach entsprechend gekennzeichneten Obstbäumen – dann kann man kostenlos leckere Früchte abstauben. Die wichtigste Regel: Man sollte nur das nehmen, was man selbst auch tatsächlich verwenden kann.
Wer nicht passiv warten möchte, bis einem ein gelbmarkierter Baum ins Auge sticht, kann auch proaktiv auf die Suche gehen: Das Portal mundraub.org listet in einer Karte sämtliche Obstbäume und Sträucher, an denen man kostenlos Früchte, aber auch Kräuter oder Nüsse ernten kann. Allein in Nürnberg reicht das Spektrum der eingetragenen Bäume von Haselnüssen und diversen Kräutern über Holunder und Pflaumen bis hin zu Birnen und Mirabellen.
Aber: Tatsächlich sollte man diese Angebote, also bei mundraub.org gelistete oder schlichtweg gelb markierte Obstbäume auch nutzen. Denn: Das Klauen und Klauben von Obst an Bäumen, die nicht die eigenen und in Privatbesitz sind, gelten als Diebstahl. Der früher geltende Straftatbestand des Mundraubs, also Diebstahl kleiner Mengen von Nahrungsmitteln, wurde bereits 1975 abgeschafft.