
Das knapp 800 Jahre alte Schloss Mainberg liegt auf einer kleinen Anhöhe neben einem Weinberg mit Blick auf den Main. Es ist eines der Highlights der Gemeinde Schonungen bei Schweinfurt, doch aktuell passiert dort nicht viel.
Seit 2008 ist das historische Gebäude Eigentum einer Immobilienunternehmerin, die sich offenbar aber nicht ausreichend um das Schloss kümmerte und laut Bürgermeister Stefan Rottmann (SPD) finanziell überfordert ist. Von November 2017 bis Ende 2021 stellte deshalb der Freistaat Bayern die Mittel für eine Notsicherung zur Verfügung, um die Existenz der Immobilie zu sichern. Unter anderem musste das Dach abgedichtet und mehrere Balken des Dachstuhls ausgetauscht werden, erklärt der Förderverein des Schlosses. Die Gemeinde Schonungen und der Förderverein hofften über viele Jahre, dass der Freistaat das Schloss übernimmt. Wegen der hohen Sanierungskosten winkte er bisher ab.
Nach Angaben des BR hat die Gläubigerbank der heute 77-Jährigen „die Geduld verloren“ und beim Amtsgericht Schweinfurt einen Versteigerungstermin beantragt. Ein Termin ist nach den Angaben noch nicht bekannt. Ihre Kredite seien ihr gekündigt worden, sagte Renate Ludwig dem BR.
Zwangsversteigerung des „Fränkischen Neuschwansteins“ droht
Die Eigentümerin hofft weiter auf einen Verkauf vor einer Versteigerung. „Da hängt mein Herzblut dran“, sagte sie dort weiter. Nach eigenen Angaben spricht sie fast alle 14 Tage mit möglichen Käufern. Zuletzt seien drei Interessenten aus der Schweiz sowie Unternehmer und Bauträger darunter gewesen, teils mit der Idee eines Hotelneubaus nebenan. Für Ende Oktober 2026 sei ein weiteres Gespräch geplant, so Ludwig. Ob es einen konkreten Käufer gibt, ist offen. Offen ist laut BR auch, ob Ludwig im Fall eines Verkaufs oder einer Versteigerung ein Wohnrecht behalten kann.
Käufer für „Fränkisches Neuschwanstein“ weiter dringend gesucht
Weil die Eigentümerin schon früher keinen Käufer fand, entschied der Schonunger Gemeinderat nach Rücksprache mit dem Landesamt für Denkmalschutz 2022, die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mit der Erstellung eines "Trägerschaft- und Nutzungskonzepts". Dafür investierte die Gemeinde rund 100.000 Euro, wurde jedoch mit 90.000 Euro vom Landesamt für Denkmalpflege unterstützt.
Im Mai 2025 luden Gemeinde und Eigentümerin zu einem exklusiven Besichtigungstermin für Investoren und Medien ein. Auch ein virtueller Rundgang war geplant. Einen Käufer brachte das bis heute nicht. Für die Öffentlichkeit ist das Schloss seit Längerem gesperrt, auch wegen der Brandschutzbestimmungen dürfen nur wenige Personen gleichzeitig hinein.
Seit 2025 steht das Gebäude zum Verkauf und wird auf der Website eines Portals für historische Immobilien gelistet. Für 3,25 Millionen Euro erhält der Käufer neben dem 16.500 Quadratmeter großen Grundstück das Schloss mit einer Gesamtfläche von 5300 Quadratmetern, von dem 632 Quadratmeter als Wohnfläche gelten, verteilt auf 28 Zimmer, wovon sechs Schlafzimmer sind. Der Preis gilt auch heute noch, das Schloss wird weiter zum Verkauf angeboten: Der Preis sei verhandelbar, heißt es auf der Internetseite des Angebots.
Sanierung: mindestens 20 Millionen Euro
Was Interessenten abschrecken könnte, sind die erwarteten Sanierungskosten von mindestens 20 Millionen Euro. Ludwig sieht das anders: Das Schloss sei „statisch in Ordnung“, die Stromleitungen seien erneuert und das Dach sei dicht. Es fehlten eine Heizung und Brandschutzmaßnahmen, außerdem müssten Wasser- und Abwasserleitungen gemacht werden. „Dann könnte der Betrieb hier wieder starten“, sagte sie dem BR.
Der Brandschutz ist ein altes Problem: Bis 2011 wurden im Schloss Tagungen und Feste veranstaltet. Dann untersagte das Landratsamt Schweinfurt die gastronomische Nutzung, weil unter anderem Feuerschutztreppen und Notausgänge fehlten. Damit fielen die Einnahmen der Eigentümerin weg, für die Brandschutzinvestitionen fehlte das Geld.
Ein Unterfranke als Vogue-Fotograf
Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Schloss laut dem Förderverein Schloss Mainberg bereits 1245. Es war zunächst in gräflichem Besitz, danach wurde es lange als Industriellen-Villa genutzt. Der Farbenfabrikant Wilhelm Sattler renovierte es 1822 im Renaissance- und Gotik-Baustil.
1932 wurde Gunter Sachs dort geboren - als Sohn des Industriellen Willy Sachs. In den 60er und 70er Jahren gehörte Gunter Sachs zum europäischen Jetset und galt aufgrund seines extravertierten Lebensstils als Playboy. Drei Jahre lang war er mit der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot verheiratet. Sachs war auch ein bekannter Kunstsammler und Fotograf - etwa für die Vogue. 2011 starb er im Alter von 78 Jahren in der Schweiz.