Nürnberg - Um Bienen, Hummeln und Schmetterlinge zu unterstützen, braucht man keinen großen Garten. Auch mit bienenfreundlichen Blumen auf dem Balkon kann man den Insekten etwas Gutes tun.

Bienen sind wichtige Bestandteile unseres Ökosystems und produzieren nicht nur köstlichen Honig, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle als Bestäuber für viele Pflanzen. Leider nimmt die Bienenpopulation stetig ab, da insbesondere großflächige Monokulturen und der Rückgang geeigneter Nahrungspflanzen die Insekten beeinträchtigen.

Wenn du den Bienen etwas Gutes tun möchtest, kann schon die richtige Auswahl von Balkonpflanzen erheblich helfen. Aber welche insektenfreundlichen Balkonpflanzen gibt es und wie kann man den Balkonkasten bienenfreundlicher bepflanzen?

Warum sollte man den Balkonkasten bienenfreundlich gestalten?

Laut dem Naturschutzbund (NABU) sind etwa 80 Prozent der Blütenpflanzen auf die Bestäubung durch Wildbienen und Honigbienen angewiesen. Durch die Förderung ihrer Populationen trägt man zur Bestäubung von Nutz- und Zierpflanzen bei. Bienen und andere Blütenbestäuber spielen außerdem eine entscheidende Rolle beim Erhalt der Artenvielfalt, da sie für die Verbreitung von Hunderttausenden von Pflanzen sorgen, von denen wiederum unzählige Tierarten als Nahrungsgrundlage abhängig sind.

Besorgniserregend ist jedoch die Tatsache, dass in den letzten Jahren weltweit immer mehr Bienenpopulationen einfach verschwinden. In Europa gibt es etwa 10 Prozent weniger Bienen als noch vor einigen Jahren, in den USA ist ein Rückgang von 30 Prozent zu verzeichnen und im Nahen Osten sind es sogar 85 Prozent weniger Bienen.

Das betrifft übrigens hauptsächlich Wildbienen. Honigbienen, die wir von Imkern kennen, haben eine relativ stabile Population. Von den rund 560 in Deutschland lebenden Wildbienenarten sind hingegen etwa die Hälfte vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste. Wer mit seinem Balkon Biodiversität unterstützen will, sollte also vor allem auf Pflanzen setzen, die für Wildbienen geeignet sind. Die Bedürfnisse von Honig- und Wildbienen überschneiden sich zwar, allerdings sind gerade Wildbienen auf weniger Pflanzenarten spezialisiert als die als Generalisten geltenden Honigbienen.

Angesichts des Rückgangs der Bienenpopulation können bienenfreundliche Balkone eine wichtige Nahrungsquelle und einen sicheren Lebensraum bieten. Bienenfreundliche Pflanzen sind zudem oftmals bunt und optisch ansprechend, was den Balkon verschönert und eine angenehme Atmosphäre schafft. Der aromatische Duft der Pflanzen begeistert nicht nur Bienen, sondern auch Hobbygärtner.

Welche Balkonpflanzen sind gut für Wildbienen?

Wer Wildbienen auf dem Balkon helfen möchte, sollte zwei Grundregeln beachten:

  • Ungefüllte Blüten: Bei stark gezüchteten, gefüllten Sorten sind die Staubblätter in Zierblätter umgewandelt. Für Wildbienen bedeutet das: keine Nahrung. Nur offene, naturbelassene Blüten bieten Nektar und Pollen.
  • Heimische Arten bevorzugen: Viele Wildbienenarten sind auf bestimmte heimische Pflanzengattungen spezialisiert. Gebietsfremde Zierpflanzen können diese Lücke nicht schließen.

Bienenfreundlicher Balkon: Die 15 besten Balkonpflanzen für Wildbienen

Wer bienenfreundliche Balkonblumen sucht, findet hier eine Liste mit den 15 besten Pflanzen.

  1. Natternkopf (Echium vulgare)

    Der Natternkopf ist eine der wertvollsten Wildpflanzen überhaupt. Sein Nektar ist außergewöhnlich reichhaltig und zieht zahlreiche Wildbienenarten an, darunter auch Spezialisten. Die leuchtend blauen Blüten blühen von Juni bis September, die Pflanze kommt mit wenig Wasser aus und gedeiht gut in größeren Kübeln an sonnigen Standorten. Wer nur eine einzige wildbienenfreundliche Pflanze für den Balkon wählen kann, sollte es diese sein. Auch wenn der Natternkopf in Deutschland eingebürgert ist und streng genommen nicht heimisch, bietet er doch eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen.

  2. Glockenblume (Campanula rotundifolia und andere heimische Arten)
    Die heimischen Glockenblumen gehören zu den beliebtesten Wildbienenblumen überhaupt. Besonders Sandbienen und Mauerbienen besuchen sie regelmäßig. Bei Regen bieten die hängenden Kelche sogar Schutz und locken Wildbienen gezielt an. Sie blühen von Juni bis Oktober und eignen sich für sonnige bis halbschattige Balkonkästen und Kübel. Wichtig: auf heimische, ungefüllte Arten achten.

  3. Schafgarbe (Achillea millefolium)
    Die Schafgarbe ist ein echter Allrounder unter den heimischen Wildpflanzen und bietet mit ihren flachen Doldenblüten eine ideale Landeplattform für viele Wildbienenarten. Sie blüht von Juni bis Oktober, ist trockenheitsresistent und kommt auch in Töpfen gut zurecht. Ihre filigranen weißen bis rosa Blütenköpfe sind optisch ein schöner Akzent auf dem Balkon.

  4. Flockenblume (Centaurea jacea)
    Die Wiesen-Flockenblume ist eine der wertvollsten heimischen Nektarpflanzen und wird von einem breiten Spektrum an Wildbienenarten besucht, von Hummelarten bis zu spezialisierten Solitärbienen. Sie blüht von Juni bis Oktober in zartem Rosaviolett, verträgt Trockenheit gut und wächst aufrecht im Kübel. Eine der wenigen heimischen Pflanzen, die auch im Topf üppig blüht.

  5. Thymian (Thymus pulegioides: Breitblättriger Thymian)
    Der heimische Breitblättrige Thymian ist weit mehr als nur ein Küchenkraut: Lässt man ihn blühen, zieht er von Juni bis Oktober zahlreiche Wildbienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge an. Er ist trockenheitsresistent, wächst kompakt und eignet sich hervorragend für flache Balkonkästen. Gleichzeitig kann er natürlich auch geerntet werden - Blüten stehen dabei an erster Stelle.

  6. Oregano (Origanum vulgare)
    Wilder Oregano blüht von Juli bis September in kleinen, lilarosa Blüten und ist bei Wildbienen ausgesprochen beliebt, besonders bei Bienen mit kurzem Rüssel, da die Blüten leicht zugänglich sind. Er ist pflegeleicht, trockenheitstolerant und wächst gut in Töpfen. Nebenbei liefert er auch in der Küche guten Ertrag, wenn man immer nur einen Teil der Pflanze erntet.

  7. Wilde Möhre (Daucus carota)
    Die Wilde Möhre ist eine großartige Balkonpflanze für Wildbienen-Liebhaber: Ihre flachen, weißen Doldenblüten sind eine Einladung für viele spezialisierte Arten. Sie blüht lang von Juni bis Oktober, wächst aufrecht und markant und braucht einen sonnigen Standort sowie einen etwas größeren Kübel. Als echte heimische Wildpflanze ergänzt sie den Balkon um ein Stück Wiesencharakter.

  8. Margerite (Leucanthemum vulgare)
    Die Wiesen-Margerite ist eine der bekanntesten heimischen Wildblumen und ein verlässlicher Nahrungslieferant für viele Wildbienen. Ihre offenen, gelb-weißen Blüten bieten von Mai bis August leicht erreichbaren Pollen und Nektar. Im Topf oder Balkonkasten wächst sie als Staude, muss also nicht jedes Jahr neu gepflanzt werden. Ein echter Klassiker, der auch optisch überzeugt.

  9. Wiesensalbei (Salvia pratensis)
    Der heimische Wiesensalbei ist eine besonders wertvolle Wildbienenblume: Seine röhrenförmigen Blüten sind auf die Bestäubung durch Bienen geradezu ausgelegt: Beim Einschlüpfen wird der Besucher automatisch mit Pollen bedeckt. Er blüht von Mai bis Juli in intensivem Blauviolett und bevorzugt sonnige, trockene Standorte. Als Staude kehrt er jedes Jahr wieder.

  10. Borretsch (Borago officinalis)
    Borretsch ist ein leicht selbst auszusäender Einjähriger mit leuchtend blauen Sternblüten, der von Juni bis Oktober blüht und Wildbienen in Scharen anzieht, besonders Hummeln. Er ist pflegeleicht, wächst schnell und gedeiht gut in Töpfen. Die Blüten sind essbar und schmecken leicht nach Gurke: ein schöner Bonus für den Balkongärtner.

  11. Acker-Witwenblume (Knautia arvensis)
    Die Witwenblume ist einer der größten Wildbienenmagneten unter den heimischen Pflanzen. Ihre lilafarbenen, kissenförmigen Blüten blühen von Mai bis September und bieten besonders spezialisierten Solitärbienen eine wichtige Nahrungsquelle. Im Kübel wächst sie aufrecht und braucht einen sonnigen Standort. Wer bedrohten Wildbienenarten gezielt helfen möchte, kommt an dieser Pflanze kaum vorbei.

  12. Mauerpfeffer / Fetthenne (Sedum album, Sedum acre)
    Der heimische Weiße Mauerpfeffer ist eine trockenheitsresistente Polsterstaude, die mit nektarreichen Blüten von Juni bis August auch anspruchslose Balkonstandorte in echte Wildbienenoasen verwandelt. Er braucht kaum Wasser, wächst flach und ist ideal für flache Kästen oder als Unterpflanzung. Viele Wildbienenarten schätzen ihn als verlässliche Nahrungsquelle.

  13. Akelei (Aquilegia vulgaris)
    Die Akelei blüht schon im Frühling von April bis Juni, zu einer Zeit, wenn viele Wildbienen nach dem Winter dringend Nahrung suchen und das Angebot noch gering ist. Ihre sporntragenden Blüten sind auf langrüsselige Bienenarten spezialisiert, die andere Pflanzen nicht nutzen können. Als Staude kommt sie jedes Jahr wieder und wächst gut in mittelgroßen Kübeln an halbschattigen bis sonnigen Standorten.

  14. Kornblume (Centaurea cyanus)
    Die Kornblume ist eine einjährige heimische Wildblume mit leuchtend blauen Blüten, die von Mai bis Oktober lang anhaltend blüht. Sie ist bei vielen Wildbienenarten beliebt und lässt sich einfach direkt in Balkonkästen aussäen. Besonders aus Samen gezogene Pflanzen, die nicht als Ziersorte gezüchtet wurden, bieten maximalen Nahrungswert. Einfach zu handhaben und optisch ein echter Hingucker.

  15. Phacelia / Bienenfreund (Phacelia tanacetifolia)
    Die Phacelia - auch „Bienenfreund“ genannt - trägt ihren Namen zu Recht: Sie gilt als eine der nektarreichsten Balkonpflanzen überhaupt und zieht von Mai bis September nahezu alle Wildbienenarten an. Und das, obwohl die aus Nordamerika stammende Pflanze eigentlich ein Neophyt ist. Die blauvioletten, lockig gerollten Blütentrauben sind unverwechselbar schön. Sie lässt sich leicht direkt aussäen, wächst schnell und gedeiht sowohl in Balkonkästen als auch in Kübeln. Ein Muss für jeden wildbienenfreundlichen Balkon.

Was sollte man bei bienenfreundlichen Balkonpflanzen beachten?

  • Blühfolge planen: Kombiniere Früh-, Mittel- und Spätblüher, damit von April bis Oktober immer etwas blüht.
  • Keine Pestizide: Chemische Pflanzenschutzmittel sind für Wildbienen besonders gefährlich, gerade für kleine, solitär lebende Arten.
  • Niemals gefüllte Blüten kaufen: Schöne Optik, aber null Nutzen. Ungefüllte Sorten erkennt man an gut sichtbaren Staubblättern in der Blütenmitte.
  • Nistmöglichkeiten ergänzen: 75 Prozent der Wildbienenarten nisten im Boden. Insektenhotels sind grundsätzlich eine gute Idee, sind aber nur für rund ein Viertel der Wildbienenarten brauchbar. Stattdessen kann ein kleines Gefäß mit sandigem, lockerem Substrat an einem warmen und windgeschützten Ort als Nistplatz dienen.

Was macht man, wenn man keinen Balkon oder Garten hat?

Wenn weder ein Garten noch ein Balkon zur Verfügung steht, kann man unter Umständen auch die Außenfensterbank mit Blumenkästen versehen und diese insektenfreundlich bepflanzen. Gegebenenfalls ist hierfür allerdings eine Rücksprache mit dem Vermieter notwendig.