Hamburg - Der ZDF-Talkshow Moderator äußerte sich über die Geschehnisse auf Sylt. Dabei geriet Lanz mit der Autorin Gilda Sahebi aneinander, doch in einigen Punkten sind sich alle Anwesenden einig.

Das berüchtigte Video von Sylt sorgte in den vergangenen Tagen für jede Menge Aufmerksamkeit und Diskussionsstoff. Eine Gruppe junger Erwachsener grölt darin zur Melodie des Party-Hits "L'amour Toujours" von Gigi D'Agostino rassistische Parolen wie "Ausländer raus" und "Deutschland den Deutschen". In der Talkshow "Markus Lanz" vom Dienstagabend thematisiert der Moderator die Geschehnisse mit seinen Gästen: CSU-Politiker Martin Huber, Spiegel-Journalistin Melanie Amann, Autorin Gilda Sahebi und Rechtswissenschaftler Kai Ambos.

Kritik an die Medien von Lanz

Melanie Amann kommentiert zu dem Video: "Wie sicher sich die Leute fühlen, wenn sie ihren Lifestyle-Rassismus ausleben". Sie hätten "völlig schamlos" gehandelt und würden mit so einem Verhalten auch Einfluss auf die Diskussionskultur in der Politik haben. Rassistische Narrative seien normalisiert worden, bestätigt Gilda Sahebi. Die USA und Donald Trump, seien Vorbild dafür gewesen, wie frei man rassistisch sprechen könne.

Markus Lanz bringt im Themenkomplex Sylt auch die Rolle der Medien und dessen Wirkung im Ausland zu sprechen. Er sei in den USA gewesen, als der Vorfall bekannt wurde und durch die deutschen Medien gegangen sei "und ich kann Ihnen sagen: Das Bild des hässlichen Nazi-Deutschland war aber ganz schnell wieder gemalt!" Lanz sagte, das Video wäre zu sensationell geworden. "Das finde ich schwierig. Und da haben auch wir als Medien eine Verantwortung!"

Autorin Gilda Sahebi reagierte darauf so: "Aha! Also Rassismus benennen sollte man nicht tun, weil dann könnte das Ausland …" – der Moderator unterbrach. "Drehen Sie mir bitte nicht die Worte im Mund um!" Ihn schockiere, dass die Parolen von jungen Menschen kämen, "die wahrscheinlich irgendwas studiert" hätten, möglicherweise im Ausland gewesen und global vernetzt seien.

Dennoch finde er "den Begriff ‚Nazi‘ in diesem Zusammenhang schwierig. "Das sind keine Nazis. Das sind Rassisten, oder Leute mit rassistischen Vorurteilen!" Und da stimmt Sahemi ihm zu. "Wenn man 'Rassismus' hört, denkt man sofort an die Nazis oder die Nazi-Keule. Das hat damit nichts zu tun!"

Rassismus und Nazis - Der Unterschied

Über diese Aussage wird in der Show nicht tiefgehender gesprochen, doch was bedeutet das überhaupt?

"Jeder Nazi ist ein Rassist, aber nicht jeder Rassist ist ein Nazi", sagt Karen Schönwälder, Gruppenleiterin zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften am Max-Planck-Institut, in einem Spiegel-Artikel.

Die Bundeszentrale für politische Bildung definiert Rassismus als "Form der Fremdenfeindlichkeit, die sich auf tatsächliche oder behauptete Rassenunterschiede stützt".

Neonazismus hingegen (Kurzform von: Neo-Nationalsozialismus) ist eine rechtsextreme Strömung, die sich zur Ideologie des Nationalsozialismus bekennt und die (Wieder-)Errichtung eines autoritären Führerstaats nach dem Vorbild des "Dritten Reiches" anstrebt. Anhänger des Neonazismus werden Neonazis genannt.

Strafrechtliche Folgen des Videos

Lanz stellt dem Rechtswissenschaftler Kai Ambos auch noch eine Frage zu dem Video: "Ist dieses Verhalten justitiabel? - anders formuliert - Müssen wir das ertragen?" Darauf antwortet Ambos eindeutig: "Ja." Er erläutert dazu, dass die Meinungsfreiheit stärker ist und man das aushalten muss. Die Schwelle der Volksverhetzung ist analytisch gesehen noch nicht erreicht. Was in dem Video allerdings zu sehen ist, ist die Benutzung eines verbotenen Kennzeichens, nämlich des Hitlergrußes. Das sei ganz klar strafbar.

Einstimmig äußern sich Lanz, Sahebi, Amann und Ambos in einem Punkt: Empörend sei das Video selbstverständlich und es sei einfach so etwas empörend zu finden, aber man müsse es auf einer tieferen Ebene betrachten. "Warum es sowas gibt und wo das herkommt und was man vielleicht selbst damit zu tun hat", sagt Autorin Gilda Sahebi und auch Rechtswissenschaftler Kai Ambos stimmt dem zu: "Warum gibt es diese Dinge in unserer Gesellschaft? Die Aussage, gleich nach dem Strafrecht zu rufen, ist nicht sinnvoll. Das löst kein Problem".