
Wer vergangenen Mittwoch in der Nähe des Berufsförderungswerks (BFW) unterwegs war, konnte meinen, der Osterhase habe sich im Tag geirrt. Rund 30 weiße und rosa Hasen und Häsinnen auf Motorrädern zogen die Blicke der Passanten auf sich.
Doch bei der Truppe handelte es sich nur auf den ersten Bick um den Osterhasen mit seiner Crew, der auf moderne Fortbewegungsmittel umgestiegen war. Die Frauen und Männer gehören zur Streetbunnycrew und waren wie immer für den guten Zweck unterwegs.
Auffallen und dabei Gutes tun. Das hat sich die Streetbunnycrew zur Aufgabe gemacht. Der Verein sammelt Spenden und gibt sie an andere ehrenamtliche Vereine in der Region weiter, die vor allem Kinder und Jugendliche unterstützen, in welcher Lebenssituation auch immer.
Bisher haben beispielsweise schon ein Kinderhospiz, das Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte Nürnberg und die Lebenshilfe Weißenburg finanzielle Hilfen erhalten. "Unser Einsatzbereich ist recht bunt und wir versuchen alles abzudecken", sagt Joerg Werstat, zweiter Vorsitzender des Vereins.
Ehrenamt im Hasenkostüm
Zwischen 25 000 und 35 000 Euro kommen, wenn nicht Corona die Einsätze verhindert, jährlich an Spenden zusammen. Ein Großteil davon wird auf Grillfesten oder Messen gesammelt oder über Flohmarktverkäufe generiert. Alles natürlich ehrenamtlich. Rund 60 Mal im Jahr ist die Crew dafür im Einsatz.
Immer wieder erhalten sie auch Unterstützung von Unternehmen und Einrichtungen, wie vom BFW. Dort wurden über eine eigene Spendenaktion und eine Tombola 700 Euro eingenommen und an die Streetbunnys übergeben. "Wir werden jetzt noch weiter sammeln und dann einen vernünftigen Zweck suchen, um die Gelder zu verwenden", erklärt Werstat.
Welche Vereine unterstützt werden, das entscheiden die Streetbunnys gemeinsam. In der allgemeinen Mitgliederversammlung oder in einer der elf Regionalgruppen vor Ort. "In den Sitzungen werden Vorschläge unterbreitet, welcher Verein Hilfe braucht oder wo wir etwas Positives tun können", sagt Wertstat, der in der Regionalgruppe Bayern Nord-Ost aktiv ist.
Auch in Texas sind Bunnys unterwegs
Rund 150 aktive Mitglieder und 400 Mitwirkende hat der Verein. Etwa 50 davon in und um Nürnberg. Hier ist momentan auch der Hauptsitz, da dort der erste Vorsitzende wohnt. Eine feste Geschäftsstelle hat der Verein noch nicht. Sie seien zwar auf der Suche nach einer festen Adresse, erklärt Werstat. "Aber wir wollen das Geld, das wir sammeln, nicht für Miete, sondern für den guten Zweck ausgeben. Wir machen das ja auch alles ehrenamtlich und auf eigene Kosten." Sogar in Texas hat die Idee Anhänger gefunden. Seit einigen Jahren gibt es auch dort einen kleinen Ableger der Streetbunnycrew. Mitglied werden kann jeder, der ein Motorrad hat. "Denn irgendwo muss ja die gemeinsame Einstellung zusammenkommen", sagt Werstat.
Aber was hat es mit dem Hasenkostüm auf sich? Mit Ostern hat das wenig zu tun. "Es geht vor allem darum aufzufallen", sagt der zweite Vorsitzende. Und das gelingt ihnen auch meistens ganz gut. Wenn die Männer in rosanen und die Frauen in weißen, plüschigen Anzügen auf der Autobahn unterwegs sind, da wird nicht selten die Kamera gezückt, berichtet er. "Die Leute sollen sich freuen und lachen, wenn sie uns sehen." Aber natürliche gebe es auch mal das ein oder andere Kopfschütteln am Straßenrand.
Der Bunny zur Wiedererkennung
Denn Motorradfahrer haben oft auch nicht den besten Ruf, gibt Werstat zu. Doch dem will die Streetbunnycrew etwas entgegensetzen. Für die Mitglieder gelten strenge Regeln.
Es wird sich strikt an die Straßenverkehrsordnung gehalten. Unter dem Kostüm muss immer vollständige Sicherheitsbekleidung getragen werden und auch wenn keine Motorradfahrt mehr ansteht, darf kein Alkohol getrunken werden, solange der Bunny angezogen ist. "Es geht darum im Positiven aufzufallen und einen Wiedererkennungseffekt zu haben", sagt Werstat.
Dass das nicht immer angenehm ist, verrät ein Aufnäher, der viele der Hasenkostüme ziert: "Wir schwitzen für den guten Zweck" ist drauf zu lesen. "Im Sommer leiden wir furchtbar in diesem Hasenanzug", lacht Werstat.
Doch das ist es ihm wert. "Als Motorradfahrer ist man in einer glücklichen Lage. Man hat in der Regel Geld, um sich eine solche Maschine leisten zu können und die Zeit, das als Hobby zu betreiben. Und das kann man auch für was Positives einsetzten", findet er. Ihm gehe es auch darum, sich immer wieder zu erden und darüber zu freuen, dass es ihm und seinem Umfeld gut geht. "Und wenn die Kinder bei der Spendenübergabe lachen, dann ist das für mich und für viele von uns sehr sehr viel Belohnung."



